Pace et. al. (2010)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Pace (2010): Vitamin E neuroprotection for cisplatin neuropathy. Neurology.

Ref.ID: 506

Multizentrisch,

doppelt,

randomisiert,

Phase 3

2 Arme

 

Eingeschlossen: N = 108, Ausgewertet: N = 41

 

Italien, 08.04-06.07

Verschiedene Karzinomarten

 

38.9% weiblich

Alter: Median: 58.25; Range: 28-74

 

CTX: Cisplatin

Arm A:

N = 17

CTX + Vitamin E, alpha-Tocopherol, 400mg täglich, oral,

Beginn: vor CTX (Median: 3 Tage vorher [Range: 1-8])

Dauer: bis 3 Monate post-CTX

 

Arm B:

N = 24

CTX + Placebo

Endpunkt

1. Neurotoxizität (erhoben mit Total Neuropathy Score (TNS), Reidel-Seiffer tuning fork, elektrophysiolog. Messungen)

Zu 1.

Amplitude (µV): Mittelwert (SD)

N. suralis

A: T0: 18.3 (9.9), T2: 14.4 (7.1)

B: T0: 23.8 (13.9), T2: 18.3 (12.8),

A vs. B: p < 0.05

N. medianus

A: T0: 11.4 (5.2), T2: 11.5 (6.3)

B: T0: 15.2 (9.0), T2 12. 4 (8.3),

A vs. B: p < 0.01

 

Reflexe und distale Parästhesie: Anzahl Pat.

T0: A und B: 0

T2: A: 6/17, B. 13/24

 

Neurotoxizitäts-Score T2 (auf Basis TNS-System): Mittelwert (SD) :

A: 1.4 (1.5); B: 4.1 (4.5); p < 0.01

Anzahl Pat. TNS Grad >3:

A: 1/17 (5.9%); B: 10/24 (41.7%); p 

 

Zusammenfassung der Autoren:

“This phase III study confirms the neuroprotective role of vitamin E against cisplatin peripheral neurotoxicity. Vitamin E supplementation should be adopted in patients receiving cisplatin-based chemotherapy.”

Laut Angabe keine NW/WW

Dr. Pace: Redner- Honorar von Schering-Plough Corp. und Italfarmaco

Dr. Savarese: Reise- und Rednerhonorar von Schering-Plough Corp.

Dr. Jandolo: Mitglied Redaktion Neurobiologia und Neurological Science.

Dr. Cognetti: beraterische Tätigkeit bei Bayer Schering Pharma, Wyeth, Roche, Sanofi-Aventis; Abbott, und AstraZeneca; finanz. Forschungsunterstützung durch Italian National Health System

PRO:

Ethikvotum

CONTRA:

Kleine Stichprobe (weniger als in Poweranalyse berechnet N < 80)

Sehr hoher Dropout (A: 69% ; B: 56%, Hauptgrund:  Cisplatin-Dosis

Keine intention-to-treat-Analyse

Varianzhomogenität in einigen stat. Analysen wahrscheinlich nicht erfüllt

Schlechte Berichtqualität (z.B. keine Angaben zur Compliance)

2b

Pace (2010). In dieser Studie wurde ebenfalls der Effekt von Vitamin E auf das Auftreten von peripherer Neuropathie (d.h. der Schädigung mehrerer peripherer Nerven, eine häufige mit Chemotherapie assoziierte Nebenwirkung) untersucht. Der Vitamin E-Arm nahm während bis ein Monat nach der Chemotherapie täglich Vitamin E ein und der Kontrollarm stattdessen nur ein Placebo. Die Ergebnisse dieser Studie sind analog zu den Befunden der Studie von Pace (2003). Sowohl bei den Ergebnisse der elektrophysiologischen Messungen jeweils eines Arm- und eines Beinnervs, als auch beim Vergleich der selbstberichteten Einschränkungen der Patienten, berichteten die Autoren über bedeutsamen Unterschiede zugunsten des Vitamin E-Arms. Auch der von den Autoren ermittelten Polyneuropathie-Score, der mehrere Neuropathie-Aspekte einbezieht und die Neuropathie-Schwere beschreibt, fiel im Vitamin E Arm bedeutsam geringer aus als im Kontrollarm. An dieser Studie gibt es zahlreiche Kritikpunkte. Vor allem die sehr hohe Rate an Patienten von über 60%, die im Laufe der Studie ausgeschieden sind und nicht in die Auswertung einbezogen werden konnten, machen eine Verzerrung in den Ergebnissen sehr wahrscheinlich. Abgesehen davon kann eine fehlerhafte Verwendung der statistischen Methoden nicht ausgeschlossen werden.