Sakalová et. al. (2001)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Sakalová (2001): Retrolective cohort study of an additive therapy with an oral enzyme preparation in patients with multiple myeloma. Cancer chemotherapy and pharmacology.

Ref.ID: 859

 

Retrospektiv

 

Kohortenstudie

 

Monozentrisch

 

Offen

 

zwei Arme,

eingeschlossen: N=265

ausgewertet:

N=265

 

In dieser der Per-Protocol Auswertung wurden 14 Patienten von Arm A in Arm B getauscht, weil der Zeitraum der Enzymbehandlung unter 6 Monate lag

 

Intention-to-treat Auswertung in manchen Anteilen der Studie

Arm A: N=180/181

Arm B: N=84/85

 

Slowakei,

01/1987-

07/1997

Multiples Myelom (MM), Stadium I, II, III, mit den Unterkategorien A und B

 

CTX

 

Geschlecht weiblich: Arm A:52.4%

Arm B:49.5%

 

Alter: (Mittelwert ± Standardabweichung in Jahren) Arm A: 62.5±11.3,

Arm B: 66.1±10.95

 

Arm A:

N=166

kombinierte CTX (VMCP, MOCCA, VAD) + 3x2 Tabletten WOBE-MUGOS E (Zusammensetzung s.o.) täglich, mit Beginn am ersten Tag der CTX, gewöhnlich wurde diese Dosierung nach dem ersten Jahr auf 3x1 Tablette täglich reduziert

 

Arm B:

N=99

kombinierte CTX

 

Median Follow-up in Monaten für Stadien I, II, III: Arm A:61, 37 und 46.5;

(über alle Stadien: 40.8)

Arm B:33, 51.5 und 31.5 (über alle Stadien: 39.5)

Prim. Endpunkt:

1. Krankheitsspezifisches Überleben ab Diagnosestellung

 

Sekund. Endpunkte:

2. Reaktion auf die CTX, ausgewertet in 4 Kategorien nach den SWOG Kriterien:

komplette Remission, teilweise Remission, stabiler
Befund, keine Reaktion

 

3. Remissionsdauer

 

4. Nebenwirkungen

Zu 1.

Stadium III Patienten Arm B: Median 47 Monate (95% KI: 32, 62 Monate) gegenüber Arm A: Median 83 Monate (95% KI: 50, 117), Unterschied statistisch signifikant (p=0.0014), signifikantes Ergebnis auch bei der Intention-to-treat Analyse (p=0.0342)

 

Aufgrund der geringen Fallzahlen in den Stadien I und II kann keine mittlere Überlebenszeit beziffert werden (p Werte sind hier auch nicht signifikant), über alle Stadien hinweg gibt es jedoch ein signifikantes Ergebnis der Lebenszeitverlängerung für Arm A. (adjustiert für Stadium, p=0.0003);
Mittleres Überleben bei sofortigem Ansprechen auf CTX 130 vs. 51 Monate bei nicht ansprechen (p=0.0000); Gesamtmortalität Median Überlebenszeitvorteil in Arm A:33 Monate in Stadium III (p=0.0059), auch wenn für Stadium adjustiert wird (p=0.0039), Multivariate Analyse: Mittlere Reduktion des Sterberisikos um 60% in allen Stadien durch Einsatz von OE (p=0.011)

 

Zu 2.

Anteil der Patienten mit kompletter, teilweiser Remission und stabilem Befund in allen Stadien (I,II,III) in Arm A:97.6% vs. Arm B:69.7%, statistisch signifikant (p=0.001); Anteil an Patienten in Stadium III ohne Reaktion auf die CTX Arm A:3.7% vs. Arm B:38.9%, statistisch signifikant (p≤0.001)

 

Zu 3.

Dauer der ersten Remission/stabiler Zustand bei Patienten in Stadium II und III signifikant länger in Arm A als in Arm B (p=kA); In Stadium III durchschnittlich 37.7 Monate in Arm A vs. 11.6 Monaten in Arm B (p=kA)

 

Zu 4.

Siehe NW/WW

 

Zusammenfassung der Autoren:

„Laut unserer klinischen Erprobung mit der Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom und der hier durchgeführten statistischen Analyse verbessert die Gabe von Enzymen den klinischen Befund und das Gesamtüberleben.“

Insgesamt gab es 34 Therapienebenwirkungen, von denen 6 mit der Enzymtherapie in Verbindung gebracht wurden. Alle 6 Nebenwirkungen bezogen sich auf Magen-Darm Beschwerden.

 

Meteorismus: N=2

Durchfall:

N=1

Übelkeit:

N=1

Andere:

N=2

Laut Angabe keine CoI

 

„This study was supported with an educational grant by MUCOS Pharma, Geretsried, Germany.“

PRO:

Ausführliche Angaben der Baseline Kriterien

 

Ergebnisse wurden zum Teil nach dem Intention-to-treat Protokoll ausgewertet

 

Sehr detaillierte Ergebnisdarstellung, adäquate statistische Vorgehensweise

 

Prüfung auf konfundierende Variablen

 

CONTRA:

Keine weiteren Angaben zu Drop-out/Attrition

 

Signifikante Baseline Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf das Alter nach Kontrolle für Krebsstadium (4 Jahre wurden aber nicht als klinisch relevant eingestuft), Laborparameter und Behandlungsregimes in Stufe III (Poly-CTx combinations)

 

Patienten, die das Enzym<6 Monate eingenommen haben werden in die Kontrollgruppe aufgenommen (14)

 

Grundsätzliche Entscheidung ob Enzyme an die Patienten ausgegeben wurde hing von deren aktueller Verfügbarkeit ab, damit kann nicht von einer Randomisierung ausgegangen werden

 

Anzahl der Personen in Intention-to-treat variiert von Tabelle zu Text

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

2b

Sakalová (2001): In dieser Studie wurden die Daten von 265 Patienten mit multiplem Myelom (Blutkrebs) nachträglich analysiert. Die Schwere und auch die Behandlungsmethoden des Krebses waren dabei untereinander unterschiedlich. Alle Patienten hatten gemeinsam, dass sie mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Die Patienten wurden zur Auswertung in zwei Gruppen unterteilt, wovon die eine zusätzlich eine Enzymtherapie (10mg Papain, 40mg Trypsin, 40mg Chymotrypsin) erhalten hat. Die Fragestellung dieser Studie ist nun, ob die Patienten durch die zusätzliche Enzymeinnahme eine längere Lebensdauer, weniger Nebenwirkungen durch die Krankheit / Chemotherapie haben und ob die Chemotherapie bei diesen Patienten eine bessere Wirkung zeigt. Zuletzt wurde noch ausgewertet, ob die Patienten durch die Enzymtherapie Nebenwirkungen haben. Diese Informationen haben die Autoren nachträglich den Patientenakten entnehmen können. Die Autoren sprechen sich für eine Enzymeinnahme aus, da sie Überlebensvorteile, vor allem bei Patienten mit fortgeschrittener Krankheit, sehen. Auch in Bezug auf die Wirksamkeit und Nebenwirkungsverringerung der Chemotherapie profitieren die Patienten mit Enzymeinnahme. Kritisch betrachtet werden muss, das die Grundvoraussetzungen der Patienten von Beginn an der Studie unterschiedlich waren. Patienten wurden je nach Verfügbarkeit der Enzympräparate im Krankenhaus mit diesen versorgt, was eine Einteilung sehr subjektiv gestalten kann. Etwas eigenartig ist auch die Tatsache, dass Patienten die die Enzyme weniger als 6 Monate eingenommen haben in die Kontrollgruppe überführt wurden (sie wurden somit wie Patienten ohne Enzymtherapie gewertet).