Pace et. al. (2003)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Pace (2003). Neuroprotective Effect of Vitamin E Supplementation in Patient Treated With Cisplatin Chemotherapy. Journal of Clinical Oncology.

Ref.ID: 507

Monozentrisch

offen

randomisiert

2 Arme

 

Eingeschlossen: N = 47, Ausgewertet: N = 27

 

Land: kA, 04.99-10.00

Verschiedene Karzinomarten (Lungenkarziom: 56%, Ovarialkarzinom: 11%, Sonstige: 33%)

 

25.9% weiblich,

 

Alter: Median: 57.5; Range: 28-74

 

CTX: Cisplatin

Arm A:

N = 13

CTX + Vitamin E

Alpha-Tocopherol, 300mg täglich, oral,

Beginn: vor CTX (Median: 4 Tage vorher [Range: 1-8])

Dauer: bis 3 Monate post-CTX

 

Arm B:

N = 14

CTX: Cisplatin

Prim. Endpunkt:

1. Periphere Neuropathie (erhoben durch Neurologen mithilfe Fragebogen, elektrophysiologische Erhebungen): T0: vor CTX, T1: nach 3. CTX-Zyklus, T2: 1 Mon. nach CTX

Zu 1.

Elektrophysiolog. Messung: Mittelwert (SD):

N. suralis

Amplitude (µV):

A: T0: 15.5 (6.3), T2: 13.7 (5.5)

B: T0: 14.5 (8.5), T2: 13.6 (9.2),

A vs. B: ns

Sensorische Leitgeschwindigkeit (m/sec):

A: T0: 51.2 (4.1), T2: 49.6 (5.1)

B: T0: 14.5 (8.5), T2: 45 (5.9),

A vs. B: p < 0.01

N. medianus

Amplitude (µV):

A: T0: 15.1 (5.2), T2: 12 (5.1)

B: T0: 15 (9.2), T2 8.7 (5.3),

A vs. B: p < 0.01

 

Beeinträchtigung Reflexe und distale Parästhesie: Anzahl Pat.

T0: A und B: 0

T2: A: 4/13, B. 12/14

 

Neurotoxizitäts-Score T2 (auf Basis neuropathischer Anzeichen/ Symptome und elektrophysiolog. Veränderungen): Mittelwert (SD)

A: 2.1 (2.1); B: 4.7 (2.9); p < 0.01

 

Zusammenfassung der Autoren:

“Supplementation of patients receiving cisplatin chemotherapy with vitamin E decreases the incidence and severity of peripheral neurotoxicity.”

Laut Angabe keine NW/WW

Keine Angaben zu den CoI

PRO:

Angaben zum Vitamin E Spiegel zur Baseline

CONTRA:

Keine Verblindung

Kleine Stichprobe ohne Poweranalyse

Sehr hoher Dropout: 43%, keine Angabe zur Verteilung auf Arm A und B

Kein intention-to-treat

Schlechte Berichtqualität (z.B. keine Angaben zur Entwicklung des Vitamin E Spiegels und zur Compliance, evtl. selektives Berichten von Endpunkten)

 

2b

Pace (2003). In dieser Studie wurde der Effekt von Vitamin E auf das Auftreten von peripherer Neuropathie (d.h. der Schädigung mehrerer peripherer Nerven, eine häufige mit Chemotherapie assoziierte Nebenwirkung) untersucht. Der Vitamin E-Arm nahm während bis ein Monat nach der Chemotherapie täglich Vitamin E ein und der Kontrollarm stattdessen nur ein Placebo. Sowohl bei den Ergebnisse der elektrophysiologischen Messungen jeweils eines Arm- und eines Beinnervs, als auch beim Vergleich der selbstberichteten Einschränkungen der Patienten, berichteten die Autoren über bedeutsamen Unterschiede zugunsten des Vitamin E-Arms. Auch der von den Autoren ermittelten Polyneuropathie-Score, der mehrere Neuropathie-Aspekte einbezieht und die Neuropathie-Schwere beschreibt, fiel im Vitamin E Arm bedeutsam geringer aus als im Kontrollarm. An dieser Studie gibt es zahlreiche Kritikpunkte. Vor allem die sehr hohe Rate an Patienten von über 40%, die im Laufe der Studie ausgeschieden sind und nicht in die Auswertung einbezogen werden konnten, machen eine Verzerrung in den Ergebnissen sehr wahrscheinlich. Zudem können aufgrund der fehlenden Verblindung (d.h. Patienten und Untersucher wussten, in welchen Arm sie waren) Placebo-Effekte nicht ausgeschlossen werden.