Van Zandwijk et. al. (2000)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Van Zandwijk (2000): EUROSCAN, a Randomized Trial of Vitamin A and

N-Acetylcysteine in Patients With Head and Neck Cancer or Lung Cancer. Journal of the National Cancer Institute.

Ref.ID: 172

 

Multizentrisch

prospektiv

offen

randomisiert

4 Arme,

 

Eingeschlossen: N = 2592 ,

Ausgewertet:

N = 2548,

 

Niederlande, Italien; 06.88-07.94

Kopf-Hals-Karzinom (60%)

Lungenkarzinom (40%)

I-III

Post-op und/oder post-RTX

 

13 % weiblich

Alter:

Median: 61

Range: 19-91

Arm A: N = 638

RTX/OP + Vit. A

1. Jahr:

Retinylpalmitat (300,000 IU)

2. Jahr

Retinylpalmitat (150,000 IU)

1x/Tag für insg. 2 Jahre

Zeit zw. RTX/OP und Randomisierung (Monate):

< 2: 51%; 2-12: 32%,

> 12: 17%

 

Arm B: N = 637

RTX/OP +

N-Acetylcystein (NAC) (600mg)

1x/Tag für insg. 2 Jahre

Zeit zw. RTX/OP und Randomisierung (Monate):

< 2: 52%; 2-12: 30%,

> 12: 17%, fehlend: 1%

 

Arm C: N = 640

RTX/OP + Vit. A +

NAC

Arm A und B kombiniert

Zeit zw. RTX/OP und Randomisierung (Monate):

< 2: 49%; 2-12: 36%,

> 12: 15%,

 

Arm D: N = 633

OP /RTX

Zeit zw. RTX/OP und Randomisierung (Monate):

< 2: 49%; 2-12: 34%,

> 12: 17%,

Follow-Up: mind. 2 Jahre nach Randomisierung

Primäre Endpunkte:

1. Ereignisfreies Überleben

2. OS

3. Zeit bis zum zweiten Primärtumor

Zu 1.

Anzahl erste Ereignisse (Rezidiv, zweiter Primärtumor, Tod) (% ohne Ereignis, 95% KI) innerhalb 5 Jahre

A+C: 465 (61; 56, 64)

B+D: 451 (61; 56, 64); p = 0.672

Lokalrezidiv:

A+C: 170, B+D: 161

Fernmetastasen:

A+C: 99, B+D: 98

Lokalrezidiv + Fernmetastasen:

A+C: 17, B+D: 27

Zweiter Primärtumor:

A+C: 115, B+D: 96

Davon Tabak assoziiert:

A+C: 77, B+D: 77

Tod:

A+C: 64, B+D: 69

 

Zu 2. Anzahl Todesfälle (% Überlebende, 95% KI), innerhalb 5 Jahren

A+C: 318 (70; 66, 73), B+D: 314 (73; 69, 76); p = 0.925

Kaplan-Meier-Kurve: ns

Interaktion auch nicht sign., d.h. NAC keinen Einfluss auf diesen Zusammenhang

 

Zu 3. Zeit bis zum zweiten Primärtumor

kontrolliert für NAC:

SPT A+C vs. B+D: p = 0.173,

Tabak-assoziierter SPT A+C vs. B+D: p = 0.978

Interaktion mit NAC: p = 0.039

d.h. Unterschied zwischen Retinyl- vs. kein Retinyl- Gruppe hinsichtlich Zeitraum unterschiedlich je nachdem ob NAC zusätzlich gegeben oder nicht

Wenn man alle vier Arme vergleicht, Anzahl von SPT in Arm D am geringsten: SPT allgemein: p = 0.025; Tabak-assoziierter SPT: p = 0.174

 

Zusammenfassung der Autoren:

A 2-year supplementation of retinyl palmitate and/or N-acetylcysteine resulted in no benefit—in terms of survival, event-free survival, or second primary tumors—for patients with head and neck cancer or with lung cancer, most of whom were previous or current smokers.

Retinylpalmitat mehr NW als NAC

(A+C:45%, B: 24% p < 0.001)

 

Retinylpalmitat: mukokutane NW (Trockenheit, Desquamation, Juckreiz, Blutung, Haarverlust)

 

NAC:

Symptome des Verdauungstrakts (va. Dyspepsia)

 

Schwerwiegende NW (Grad 3/4):

auch insgesamt häufiger in Retinylpalmitat-Gruppen (Anzahl Pat):

Gastrointestinal:

A: 32 + C: 47 vs. B: 44

Haut: A: 50 + C: 43 vs. B: 11

Unwohlsein: A: 5 + C: 1 vs. B: 2

Vorübergehende Leberenzymerhöhung: A: 2 + C: 3 vs. B: 1

Hypercholesterinämie

A: 2 + C: 3 vs. B: 0

Knochenschmerzen

A: 2 + C: 2 vs. B: 0

Sonstiges:

A: 15 + C: 8 vs. B: 3

Keine Angabe zu CoI.

 

Finanziert durch European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC), The Netherlands Cancer Institute, European Commision

 

Finanzielle Unterstützung der Treffen:

Zambon (Italien)

Bereitstellung der Präparate:

N-Acetylcystein: Zambon; Retinylpalmitat: MUCOS Pharma GmbH & Co. KG (Deutschland)

PRO:

Große Stichprobe gemäß Power-Analyse

 

CONTRA:

Keine Verblindung

Keine p-Werte zu Baseline- Gruppenunterschiede zumind. deskriptiv teilweise unterschiedlich

Mehr Therapieabbrecher in Vitamin A Gruppen (A: 26%,/ C: 25% vs. B: 18%; p < 0.001)

Sehr unübersichtlich, insgesamt nur sehr wenige p-Werte berichtet

1b-

Van Zandwijk (2000): In dieser Studie werden 4 Gruppen mit Kopf-Hals-Tumor- oder Lungenkrebs-Patienten nach Radiotherapie und/oder Tumoroperation miteinander verglichen. Eine Gruppe bekam Vitamin A, eine Gruppe N-Acetylcystein (NAC, ein chemischer Wirkstoff mit schleimlösenden Eigenschaften), eine Gruppe Vitamin A und NAC und eine Kontrollgruppe nichts außer Radiotherapie/Operation. Vergleicht man jeweils die beiden Gruppen, die Vitamin A bekommen haben, mit den anderen beiden Gruppen, fanden sich keine bedeutsamen Unterschiede bezüglich des Auftreten erster Ereignisse wie Rezidiv, zweiter Primärtumor oder Tod, bezüglich des Gesamtüberlebens in einem Zeitraum von fünf Jahren und bezüglich des Zeitraums bis zum Auftreten von zweiten Primärtumoren. Die wenigsten zweiten Primärtumoren tauchten jedoch in der Gruppe auf, die nur Radiotherapie und/oder Operation erhalten hatten. In den Gruppen mit Vitamin A wurden bedeutsam mehr unerwünschte Nebenwirkungen berichtet als in der Gruppe, die nur NAC erhalten hat. Ein Nachteil dieser Studie ist, dass keine Verblindung stattfand (d.h. Untersuchter/Patienten wissen, welcher Gruppe sie angehören), dass es in den Vitamin A Gruppen mehr Therapieabbrecher gegeben hat und dass die Berichtqualität in dieser Studie teilweise schlecht war. So waren unter anderen die Ergebnisse sehr verwirrend und durcheinander berichtet.