Popiela et. al. (2001)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Popiela (2001): Influence of a complementary treatment with oral enzymes on patients with colorectal cancers – an epidemiological retrolective cohort study. Cancer Chemotherapy Pharmacology. Ref.ID: 858

 

Retrospektiv

 

Kohortenstudie

 

Multizentrisch

 

Offen

 

zwei Arme,

eingeschlossen: 1242

ausgewertet Efficacy Analyse:

N=1184

 

Attrition (erfüllten Einschlusskriterien nicht):

Arm A und B = je 29

 

Safety Analyse: N=1242

 

Monotherapie Untergruppe – Patienten haben hier keine weitere komplementäre Behandlung erhalten (Mono U):

Arm A: N=182

Arm B N=368

 

Komplementärmedizin Untergruppe – Patienten beider Arme haben hier zum Teil auch andere komplementärmedizinische Behandlungen wahrgenommen

(Kompl U):

Arm A: N=405

Arm B: N=229

 

Deutschland,

1991-1997

Patienten mit kolorektalem Karzinom jeglicher Stadien

 

Post-OP, CTX, RTX

 

In einigen Fällen nehmen die Patienten weitere komplementärmedizinische Behandlungen wahr, jedoch keine Enzymtherapie

 

Geschlecht weiblich: Arm A:47%, Arm B:48.2%

 

Alter (Mittelwert ± Standardabweichung in Jahren): Arm A:64.3±11.7,

Arm B: 67.2±11.1

Arm A:

N=587

Antineoplastische Therapie+ WOBE-MUGOS E (Zusammensetzung s.o.)

3x2 Tabletten/Tag wurden empfohlen, jedoch konnte die tatsächliche Anzahl abweichen (teilweise bis zu 40 Tabletten/Tag)

 

Arm B:

N=597

Antineoplastische Therapie

 

Median Follow-up in Monaten: Arm A: 9.2, Arm B: 6.1

 

Prim. Endpunkte:

1. krankheits- und behandlungsspezifische Symptome während und nach der antineoplastischen Therapie im Vergleich zur Baseline (Übelkeit, Erbrechen, etc.)=Lebensqualität

 

2. Verträglichkeit/Sicherheit der Krebstherapien

Votum: „Verträglichkeit sehr gut“ in %

 

Sekund. Endpunkte:

3. Mittelwertsveränderung der Symptome

 

4. Patienten ohne Beschwerden in %

 

5. relevante Reduktion von Behandlungsschäden der Chemo- oder Strahlentherapie

 

6. Performance-index Unterschiede

 

7. Karnofsky Index Unterschiede

 

8. Anzahl der Nebenwirkungen

 

9. Überlebenszeitanalyse

(Mann-Whitney-Statistik: 0.36 mittlere Unterlegenheit, 0.44 geringe Unterlegenheit, 0.5 keine Gruppenunterschiede, 0.56 geringe Überlegenheit, 0.64 mittlere Überlegenheit, 0.71 hohe Überlegenheit)

 

1.

Mono U:

Mann-Whitney-Statistik (MWS): 0.6077; 95% KI: 0.5535, 0.6619; p<0.0001

=geringe Überlegenheit der Enzymgruppe

Kompl U:

MWS:0.5224; 95% KI: 0.4756, 0.5692; p=0.3486

keine Gruppenunterschiede

 

2.

Mono U:

MWS:0.7471; 95% KI: 0.7054, 0.7889; p<0.0001

hohe Überlegenheit der Enzymgruppe

Kompl U:

MWS: 0.5865; 95% KI: 0.5455, 0.6275; p<0.0001

geringe Überlegenheit der Enzymgruppe

 

3.

Mono U:

MWS: 0.6478; 95% KI: 0.5898, 0.7058; p<0.0001

mittlere Überlegenheit der Enzymgruppe

Kompl U:

MWS:0.5040; 95% KI: 0.4548, 0.5532; p=0.8727

keine Gruppenunterschiede

 

4.

Mono U:

MWS: 0.5440; 95% KI: 0.4950, 0.5929; p=0.0798

keine Gruppenunterschiede

Kompl U:

MWS: 0.5570; 95% KI: 0.5120, 0.6020; p=0.0138

keine Gruppenunterschiede

 

5.

Mono U:

MWS: 0.6721; 95% KI: 0.6080, 0.7363; p<0.0001

mittlere Überlegenheit der Enzymgruppe Kompl U:

MWS: 0.5880; 95% KI: 0.5246; 0.6514; p=0.0062

geringe Überlegenheit der Enzymgruppe

 

6.

Mono U:

MWS: 0.5645; 95% KI: 0.5166, 0.6124; p=0.0071

keine Gruppenunterschiede

Kompl U:

MWS:0.4718; 95% KI: 0.4284, 0.5151; p=0.1930

keine Gruppenunterschiede

 

7.

Mono U:

MWS:0.4947; 95% KI: 0.4411, 0.5483; p=0.0846

keine Gruppenunterschiede

Kompl U:

MWS:0.5202; 95% KI: 0.4725, 0.5679; p=0.4003

keine Gruppenunterschiede

 

8.

Mono U:

MWS: 0.6339; 95% KI: 0.6020, 0.6659; p=0.0846

geringe Überlegenheit der Enzymgruppe

Kompl U:

MWS: 0.5171; 95% KI: 0.4882, 0.5459; p=0.2679

keine Gruppenunterschiede

 

Eine Sensitivitätsanalyse mit Propensity Scores ergab keine signifikant unterschiedlichen Ergebnisse, bis auf Endpunkt 4 und 5 der Kompl U Gruppe, der p Wert wurde hier signifikant (4. p=0.002) bzw. nicht signifikant (5. p=0.936)

 

9.

Die mediane Überlebenszeit in Arm A betrug 34.1 Monate und in Arm B 14.5 Monate bei Patienten im Krebsstadium Duke D. (plog-rank=0.0025).

Für die Duke B und C Stadien wurden ähnliche „Trends“ festgestellt.

 

Zusammenfassung der Autoren:

„Die komplementäre Behandlung von Darmkrebs mit Enzymen verbessert die Lebensqualität, indem Krankheitssymptome und die Therapienebenwirkungen der Krebstherapie gemildert werden. Diese Kohortenstudie liefert ebenfalls Hinweise, dass Patienten durch die Enzymeinnahme auch ihre Lebenszeit verlängern können.“

Behandlungsassoziiert: 21x (3.4% in Arm A) milde bis moderate Magen-Darm-Beschwerden. Bei zwei Patienten wurde daraufhin die Enzymdosis reduziert und bei einem Patienten mussten die Enzyme vollständig abgesetzt werden.

Keine Angaben zu den CoI

 

„This study was supported by MUCOS Pharma, Geretsried, Germany. “

PRO:

Große Stichprobe

 

Ausführliche Angabe der Baseline Kriterien

 

Bonferroni-Korrektur wurde angewendet

 

Sensitivitätsanalyse mit Propensity Score (Kovariaten: Enzym Behandlung, Tumorstadium, postoperative Antwort, KI zur Baseline, Interventions-/Beobachtungsdauer, Alter, Geschlecht, Art der antineoplastischen Therapie, Art des Zentrums) und nur mit Kovariaten

 

Zur Auswertung wurde die multivariate Mann Whitney U Statistik verwendet

 

Intention-to-treat für Sicherheitsanalyse

 

Sehr detaillierte Auflistung der statistischen Werte für Endpunkte

 

CONTRA:

In der Mono U Gruppe gab es signifikante Baseline Unterschiede in Bezug auf Tumorart, einigen Symptomen, verbliebener Tumormasse, Studienzentren.

Es wird keine statistische Auswertung aufgelistet, lediglich deskriptiv,

auch die beiden Sub-Kontrollgruppen unterschieden sich voneinander (letztere Daten werden nicht aufgeführt)

 

Wenig Informationen zu Erhebungsmethoden der Endpunkte, dadurch Ablauf schwer nachvollziehbar (Keine Erläuterungen zum Endpunkt „performance Index“)

Die mittlere Zeit bis zum Follow-up lag in Arm A bei 275 Tagen und Arm B bei 184 Tagen

 

Der primäre Endpunkt „disease associated signs and symptoms” besteht aus 17 Unterpunkten, es wird jedoch nur ein zusammenfassendes Ergebnis genannt

 

Ausschlussgründe von Studienteilnehmern nicht näher beschrieben

 

Keine Einzelauflistung der Veränderung der Symptome zu Endpunkt 1, dadurch Ergebnis nicht vollkommen nachvollziehbar

 

Transformierung von TNM Klassifizierung zu Duke‘s Klassifizierung ohne Begründung

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

2b

Popiela (2001): In dieser Studie wurden die Daten von 1242 Darmkrebspatienten nachträglich analysiert. Fast alle Patienten erhielten eine Operation und alle Patienten entweder eine Chemo- oder Radiotherapie. Eine Gruppe bekam zusätzlich eine Enzymtherapie in Tablettenform. Diese Unterteilung in zwei Gruppen wurde zur Auswertung zweimal vorgenommen. Einmal in eine Gruppe, in der die Patienten Enzyme und zusätzlich noch weitere ergänzende Mittel aus der Komplementärmedizin, wie z.B. Vitamine etc. eingenommen haben und dann in eine kleinere Gruppe, die ausschließlich Enzyme eingenommen hat. In der Kontrollgruppe gab es ebenfalls eine Unterteilung in eine Gruppe von Patienten, die zusätzliche Therapien, jedoch keine Enzymtherapie, und gar keine zusätzlichen Therapien durchgeführt haben. Gegenübergestellt wurden zum einen die beiden Gruppen in der beide komplementäre Behandlungen angewendet haben, jedoch die eine Gruppe noch zusätzlich die Enzyme eingenommen hat und zum anderen die Gruppe mit Enzymeinnahme und ohne weitere Therapien mit der Gruppe ohne jegliche weitere Einnahme. Die Fragestellung dieser Studie ist nun, ob die Patienten durch die zusätzliche Enzymeinnahme weniger Beschwerden durch ihre Krebserkrankung, weniger Therapienebenwirkungen bzw. eine bessere Therapieverträglichkeit und sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Ebenfalls wurde geschaut ob die Patienten die Enzymtabletten gut vertragen haben. Diese Informationen haben die Autoren den Patientenakten entnehmen können. Das Ergebnis zeigt in einigen Bereichen relevante Vorteile bei der Enzymgruppe. Diese Vorteile fallen in der „nur Enzymgruppe“ gegenüber der Vergleichsgruppe deutlicher aus als in den anderen beiden gegenübergestellten Gruppen. Die Autoren sprechen sich für eine Enzymeinnahme aus, da Krankheitsbeschwerden, Therapienebenwirkungen und Verträglichkeit verbessert werden. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass die Krebspatienten durch die Enzyme ihre Lebenszeit verlängern können. Einschränkungen in der Lebensführung durch die Krebserkrankung und Therapie werden jedoch durch die Enzymeinnahme nicht verbessert. Die weiteren komplementären Therapieansätze, wie z.B. Vitamine etc. scheinen sich auch auf untersuchten Ergebnisse auszuwirken, da hier die Unterschiede zwischen der Enzym- und Vergleichsgruppe viel geringer ausfallen oder es sogar zu gar keinen Unterschieden kommt. Kritisch muss hier betrachtet werden, dass es zwischen den Gruppen größere Unterschiede zwischen den Patientenmerkmalen gibt, also dass diese andere Grundvoraussetzungen zum Studienbeginn haben. Dies hat natürlich großen Einfluss auf die Verträglichkeit von Chemo-, Radiotherapien und auch auf die Heilungschancen. Die Autoren haben sich jedoch bemüht diese Unterschiede rechnerisch anzugleichen. Dabei kam es zu keinen gravierenden Abweichungen der Ergebnisse.