Tu et. al. (2018)
Komplementärmedizin · Version 2.0
|
Referenz |
Studientyp
|
Patientenmerkmale |
Intervention/ Kontrolle, Beobachtung |
Untersuchte Endpunkte |
Hauptergebnisse |
Neben-/ Wechselwirkungen |
Finanzierung/ Interessenskonflikte |
Methodische Bemerkungen |
Evidenzklasse (Oxford) |
|
Tu (2018): Is folic acid safe for non-muscle-invasive bladder cancer patients? An evidence-based cohort study. The American Journal of Clinical Nutrition. Ref.ID: 766 |
Prospektiv
Kohortenstudie
Multizentrisch
Eingeschlossen: N = 649, Ausgewertet: N = 619
Land: USA, Diagnosestellung zwischen 1997-2012 |
Blasenkrebs (NMIBC), Ta, Tis, T1
Intravesikale Therapie, TUR, iBCG, mBCG
20.4% weiblich,
Alter zur Diagnose: MW: 63.6; SD: 10.9
30% der Probanden nahmen zur Zeit der Erhebung zusätzliche Vitamine |
Arm A: N= 207 Niedrige Einnahme 1 Jahr vor Diagnose
Arm B: N= 207 Mittelhohe Einnahme 1 Jahr vor Diagnose
Arm C: N= 205 Hohe Einnahme 1 Jahr vor Diagnose
Männer: Niedrig: <228.0 µg/d, mittel: 228.0–557.4 µg/d, hoch >557.4 µg/d
Frauen: niedrig: <353.4 µg/d) mittel: 353.4–593.4 µg/d, hoch: >593.4 µg/d |
Endpunkt 1. Rezidiv oder Fortschreiten der Krebserkrankung im Zusammenhang mit Nahrungsfolsäure, Folsäure durch Zusatz in Nahrung und Vitaminsupplementen, Gesamtfolsäure aus beidem
Anmerkungen: Protokoll: Follow-up alle 3 Monate für 2 Jahre, alle 6 Monate für 2 Jahre, dann jährlich
Median Follow-Up: 5.2 Jahre
Messung der Folsäureaufnahme mit FFQ
|
Zu 1. Insgesamt bei Follow-up: 303x Rezidiv, 108x Progression
Rezidiv: Gesamtaufnahme Folsäure (Zusatz in Nahrung, Supplemente und Nahrungsfolsäure): mittlere im Vgl. zu niedriger Einnahme assoziiert mit 67% erhöhtem Rezidiv-Risiko (HR: 1.67; 95% KI: 1.16, 2.38; p=0.005); kein Zusammenhang mit hoher Einnahme
Subgruppenanalyse: positiver Zusammenhang zwischen erhöhtem Rezidiv-Risiko und TUR-Gruppe (HR: 2.91; 95% KI: 1.46, 5.79; p=0.002); nicht aber für Gruppe die erst TUR und dann BCG erhielt
Progression: mittlere bis hohe Einnahme von Nahrungsfolsäure ist nicht assoziiert (nicht signifikant) mit erniedrigtem Risiko (33% und 31%) auf Progression (mittel/hoch vs. niedrig: HR: 0.68; 95% KI: 0.44, 1.04; p=0.08); Gesamtaufnahme Folsäure: mittlere im Vgl. zu niedriger Einnahme assoziiert mit 83% erhöhtem Progressionsrisiko (HR: 1.83; 95% KI: 1.02, 3.26; p= 0.04); kein Zusammenhang mit hoher Einnahme
Anmerkung:
Zusammenfassung der Autoren: „ A high intake of synthetic folic acid, in contrast to the natural forms, is associated with an increased risk of recurrence in NMIBC and multifocal tumors at diagnosis, which suggests that Folic acid may be unsafe for NMIBC patients.” |
Keine Angabe zu NW/WW |
Laut Angabe keine COI
Teilweise unterstützt durch National Cancer Institute at the NIH (steht nicht in dem vorhandenen PDF, aber bei PMC unter Notes). Keiner der Autoren hatte einen Interessenskonflikt. |
PRO: Ethikvotum vorhanden.
Erfassung der zusätzlichen Vitamine und Ermittlung deren Folsäuregehalt
Berücksichtigung von den wichtigsten Störfaktoren sowie epidemiologischer und klinischer Kovariaten und dementsprechende Adjustierung der Analyse
Einstufung der Höhe der Einnahme von synthetischer Folsäure unter Berücksichtigung des Geschlechts (damit Unterschiede in der allgemeinen Energiezufuhr)
Vergleichbarkeit der Gruppen hinsichtlich Geschlecht, Ethnizität, Behandlung, gesamte Energiezufuhr
CONTRA: Bei Vitaminpräparaten unbekannter Marken (8%) wurde Folsäuregehalt geschätzt (so viel wie im Schnitt in den bekannten Marken enthalten war)
Gruppenvergleichbarkeit (niedrige, mittlere, hohe Zufuhr von synthetischer Folsäure) nicht gegeben hinsichtlich Alter bei Diagnose, Ausbildung, Raucherstatus, BMI, Einnahme von Multivitaminpräparaten, Alkoholzufuhr (allerdings sind Variablen wahrscheinlich nicht unabhängig voneinander und stellen Charakteristika des Ernährungsverhaltens dar: Hohe Zufuhr zumeist älter, gut ausgebildet, keine oder frühere Raucher, nicht übergewichtig und Multivitaminnutzer, weniger Alkohol und höhere Zufuhr von Folsäure gesamt)
Verwirrende Darstellung von Ergebnissen mit ständigem Wechsel zwischen synthetischer und natürlicher Folsäure
Angabe der Einnahme von Folsäure etc. durch Selbstberichte
Geringe Anzahl an Progressionen, dadurch geringe statistische Power in den entsprechenden Analysen
Nur Erfassung der Einnahme von Folsäure ein Jahr vor Diagnose, keine Erfassung mehr nach Diagnose |
2b- |
|
Tu (2018): In dieser Studie wurde rückblickend die Menge der Einnahme von Folsäure bei 619 Patienten ausgewertet, die später mit Blasenkrebs diagnostiziert wurden. Hierbei wurde untersucht, ob eine niedrige, mittlere oder hohe Einnahme von synthetischer oder natürlicher Folsäure einen Einfluss auf das Wiederauftreten oder Fortschreitens der Krebserkrankung hat. Die Daten der Patienten wurden im Schnitt nach etwa 5.2 Jahren untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine mittlere/hohe Einnahme von Folsäure, welche der Nahrung zusätzlich zugesetzt oder über Vitaminpräparate aufgenommen wurde vor der Diagnose im Vergleich zu einer niedrigen Einnahme mit einem erhöhten Risiko des Wiederauftretens der Erkrankung zusammenhängt. Während eine mittelhohe Einnahme an der Gesamtmenge für Folsäure (aus der Nahrung als auch durch Präparate) im Vergleich zu einer niedrigen Einnahmemenge im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko des Fortschreitens, sowie Wiederauftretens des Krebses steht. Es werden keine Ergebnisse in Bezug auf eine hohe Einnahme gefunden. Die Studie überzeugt mit statistischer Sorgfalt und Einbezug bzw. Kontrolle vieler Störfaktoren oder möglicher Einflüsse auf das Ergebnis und einer detaillierten Ergebnisdarstellung. Hingegen ist die Ergebnisberichtung der Autoren teilweise irreführend, so beschreiben sie auch statistisch nicht bedeutsame Effekte als wichtige Ergebnisse, wodurch man hier schnell falsche Schlüsse zieht. Die anfängliche nicht Vergleichbarkeit der Gruppen in vielen Charakteristika ist teilweise bedingt durch den Zusammenhang von Ernährungsstil (erhöhte Folsäureeinnahme oder nicht) und Lebensstil. Allerdings ist kritisch anzumerken, dass die Einnahme von Folsäure nur vor der Diagnose erfasst wurde, der Einfluss der darauffolgenden Ernährung wird nicht betrachtet, wodurch nicht auszuschließen ist, dass der Effekt auch mit Ernährungsmustern nach der Diagnose in Zusammenhang stehen könnte. Auch wenn anzumerken ist, dass die meisten Vorfälle bereits in dem ersten Jahr nach Diagnosestellung auftraten. Aufgrund des Aufbaus der Studie kann keine Ursache-Wirkungsaussage getroffen werden. |
|||||||||