Strasser et al. (2006)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patienten-merkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwir­kungen

Finanzierung/ Interessens-konflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenz-klasse (Oxford)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Strasser et al.

(2006) : Comparison of orally administered cannabis extract and delta-9-tetrahydrocannabinol in treating patients with cancer-related anorexia-cachexia syndrome: a multicenter, phase III, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial from the Cannabis-In-Cachexia-Study-Group

 

Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology

 

 

 

Prospektiv

 

Multizentrisch

 

Doppelt verblindet

 

randomisiert

 

3 Arme

 

Anzahl eingeschlossener Teilnehmer: 243

 

Anzahl ausgewerteter Teilnehmer ITT: n=243, PP: n=80 (33%)

 

Beendeten die Studie: 164, Drop-out:

Arm A n=35,

Arm B n=29,

Arm C n=15

 

Drop-out nach 2 Wochen:

A n=97,

B n=93,

C n=46

 

Drop-out nach 4 Wochen:

A n=78

B n=80

C n=38

 

Niederlande, Schweiz und Deutschland; Rekrutierung: Oktober 1999- September 2002

 

 

Verschiede Krebsarten (fortgeschritten, unheilbar), ungewollter Gewichtsverlust, etwa Hälfte unter Cth

 

Geschlecht: 46% weiblich

 

Alter (MW): 61 Jahre

Arm A:

N= 100,

THC,

2,5 mg oral,

2X am Tag, für 6 Wochen.

 

Arm B:

N=95,

Cannabis Extract (2,5mg THC,

1mg Cannabidiol)

2X am Tag,

6 Wochen

 

Arm C:

N=48,

Placebo,

6 Wochen.

 

Einnahme bevorzugt vor Mittag- oder Abendessen bzw. vor dem Schlafen

 

T0: Baseline

T1: 2 Wochen

T2: 4 Wochen

T3: 6 Wochen

 

Prim. Endpunkte

1.Appetit (gemessen mit VAS)

 

2.QOL Allgemein (gemessen mit EORTC QOL-C30 und C29 2x wöchentlich)

 

3.Toxizität (2x wöchentlich)

 

Sekund. Endpunkte

 

3.Stimmung (täglich mit VAS)

 

4.Übelkeit (täglich mit VAS)

 

5. Funktionale Skalen und einzelne Items des EORTC QLQ-C30

 

6. Anorexia-Cachexia Modul des EORTC

QLQ-C30

 

7. Gewicht

 

Zu 1.

T3: keine signifikanten Unterschiede der Interventionsarme zu Placebo (mittlere Verbesserung (SD): B 5.4mm (24.7mm), C 5.8mm (23.8mm), A 0.6mm (18.5mm); ITT B vs. C p=0.46, A vs. C p=0.95); gesteigerter Appetit bei 69%, 75% und 72% (p=0.068)

 

Zu 2.

T3: kaum Veränderung zu T0; keine sign. Unterschiede zwischen B und C (ITT p=0.80) oder A und C (ITT p=0.43), sowie A und B (PP Analyse p=0.90)

 

Zu 3: T3: Verbesserung bei 46%, 60% und 64% (p=0.461)

 

Zu 4. T3: Verbesserung von über 30 zu T0 auf unter 30mm bei 61%, 50% und 40% (p=0.367)

 

Zu 5. T3: Leichte Verschlechterung in allen Armen für körperliche, rollenbezogene, emotionale, kognitive,

und soziale Funktion, Dyspnoe, Diarrhöe und finanzielle Probleme (keine statistischen Werte/ Vergleiche)

 

Zu 6. Verbesserung aller Arme um 5% zu T1 und weiteren 5% für C bis T3, nach T1 gleichbleibend für A und Verschlechterung um 2.5% für B (keine statistischen Werte/ Vergleiche)

 

Zu 7. T3: Keine Unterschiede für Gewicht oder Gewichtsverlust zu T3 (keine statistischen Werte)

 

Zusammenfassung der Autoren: „CE at the oral dose administered was well tolerated by these patients with CACS. No differences in patients’ appetite or QOL were found either between CE, THC, and PL or between CE and THC at the dosages investigated.“

 

Folgende NW wurden berichtet:

Insgesamt 526 Ereignisse, davon vielleicht Interventionsassoziiert für 90 (B, n=28; A, n=45; und C, n=17), und

Wahrscheinlich für 20 (B, n=9; A, n=7; und C, n=4); Temporäre oder permanente Dosisreduktion war notwendig für 78 Patienten (A, n=34; B, n=30; und C, n=14); NW die mehr als 10x auftraten waren:  Übelkeit/Erbrechen, Fatigue, Schmerzen, Anämie, Schwindel, Dyspnoe, Diarrhoe, Obstipation, Vertigo (keine Unterschiede in den Häufigkeiten zwischen den Gruppen);

Von allen NW waren 241 mild, 227 moderate, 57 schwer (schwer zumeist Schwindel, Übelkeit/Erbrechen und Dyspnoe); insgesamt 82 sehr schwere NW wie Dyspnoe, Tumor Fortschreiten, Erbrechen, Verschlechterung des allg. Wohlbefindens, Tod, Schmerz, Fieber, Diarrhöe, Exsikkation, 13 davon waren lebensbedrohlich, 68 benötigten Hospitalisierung, und unerwartet zum Arzt;

 

Keine Unterschiede für CannTox Skalen Schwindel, Wohlgefühl, Hochgefühl, Halluzinationen, Herzklopfen,

Panikattacken, Aktivitätsgefühl oder unsicheres Gehen

Finanzielles Interesse.

Martin Schnelle,

Marcus Reif (Institute for Clinical Research, Berlin)

 

Die anderen Autoren deklarieren keinen COI

 

PRO:

Ethikvotum

 

Angabe der Reliabilität der Messinstrumente

 

Poweranalyse

 

Intent-To-Treat Analyse (siehe jedoch CONTRA)

 

Sehr detaillierte Beschreibung der Statistik

 

Kontrolle Compliance und diese hoch (44-60%)

 

CONTRA:

ITT nur für Teste zwischen A/B vs. C, Tests zwischen A vs. B mit PP Analyse

 

Stichprobe zu klein laut Poweranalyse (n=445), Rekrutierung wurde nach Interim Analyse gestoppt aufgrund fehlender Effekte

 

84 Patienten hatten starke Abweichungen vom Protokoll und/oder nahmen weniger als 90% der Intervention, hatten fehlende Daten zum primären Endpunkt, oder hatten THC im Serum zur Baseline

 

Patienten in PP Analyse zumeist männlich, älter mit besseren Baseline Werten für Stimmung, Übelkeit, tägliche Nahrungsaufnahme und QoL

 

 

Level 2

Strasser et al. (2006): In der Studie wurden 243 Patienten mit verschiedenen Krebsarten im fortgeschrittenen Stadium eingeschlossen. Zufällig in 3 Gruppen eingeteilt bekam eine über 6 Wochen ein Cannabis-Extrakt (THC und Cannabidiol), eine nur THC und eine ein Placebo. Gemessen wurde vor allem der Einfluss auf Appetit und Lebensqualität. Nach 6 Wochen konnten keine Unterschiede gefunden werden für Appetit, Lebensqualität, Gewicht, Stimmung oder Übelkeit. Auch konnten keine Unterschiede bezüglich den Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Cannabisextrakt/ THC gefunden werden. Diese aufwändige Studie zeichnet sich durch ein gutes Studiendesign und detaillierte Statistik aus. Leider werden wenig Tabellen gegeben mit genauen statistischen Werten der erhobenen Symptome.