Ripamonti et. al. (1998)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Ripamonti (1998): A randomized, controlled clinical trial to evaluate the effects of zinc sulfate on cancer patients with taste alterations caused by head and neck irradiation. Cancer. Ref.ID: 786

Monozentrisch

 

doppelt verblindet

 

randomisiert

 

2 Arme

 

Eingeschlossen: N = 18, Ausgewertet: N (während RTX) = 18, N (nach RTX) = 17

Attrition 1x orale Toxizität

 

Italien, 03.1995-12.1996

Kopf-Hals Karzinom

 

22.2% weiblich,

 

Alter: MW: 57.9; SD: 12.8

 

RTX

Arm A:

N = 9

RTX + Zink

3x 45mg täglich nach den Mahlzeiten, vom Beginn wahrgenommener Geschmacksveränderungen bis +1 Monat nach RTX

 

Arm B:

N = 9

RTX + Placebo, in gleicher Frequenz und Intensität verabreicht, wie in Arm A

 

Dauer in beiden Armen: ca. 3 Monate

Primäre Endpunkte

1. Geschmacksgenauigkeit: Wahrnehmung und Erkennung mit Drei-Tropfen Technik von Mossman und Henkin (vor RTX, wöchentlich, +1 Monat nach RTX)

 

2. Toxizität mit Likert Skala und Selbstbericht

 

Zu 1.

Während der RTX war die Verschlechterung der Geschmacksgenauigkeit in Arm B größer als in Arm A, 1 Monat nach der RTX zeigten Patienten aus Arm A eine schnellerer Regeneration ihrer Geschmacksgenauigkeit als Patienten in Arm B,

signifikante Unterschiede in der Wahrnehmung des Geschmacks bitter (p = 0.015) und in der Erkennung von salzig (p = 0.001) zugunsten von Arm A während der RTX, nach RTX signifikante Unterschiede in der Erkennung des Geschmacks salzig (p = 0.0241), süß (p = 0.019) und sauer (p = 0.028) zugunsten von Arm A

 

Zu 2.

Keine signifikanten Unterschiede im Gewichtsverlust, kein Bericht von NW aufgrund des Zinksulfats oder Placebos

 

Zusammenfassung der Autoren: “As we found that zinc sulfate administration slowed down the worsening and accelerated the improvement of taste acuity in a clinically and statistically relevant way for some of the taste qualities, it is our opinion that zinc sulfate is a useful treatment; in addition, patients tolerate this treatment well.”

Laut Angabe keine NW/WW

 

Keine Angaben zu den CoI,

zum Teil von Italian Research Council und Italian Association for Cancer Research unterstützt

PRO:

Untersuchung von NW

 

Doppelte Verblindung

 

Begründung und Zeitangabe von Attrition

 

Überprüfung der Einnahme anderer Mundspülungen etc.

 

Einbezug der Baselinewerte in Analyse und adäquate Analyse für kleine Stichproben

 

CONTRA:

Stadium der Krebserkrankung unklar

 

Ergebnisse beinah ausschließlich in Graphiken dargestellt, aus der die genauen Werte nicht eindeutig abzulesen sind, innerhalb des Textes keine nachvollziehbare statistische Beschreibung der Ergebnisse

 

Es sollen noch weitere Symptome erhoben worden sein, wobei diese im Ergebnisteil nicht berichtet werden

 

Vergleichbarkeit der Gruppen fragwürdig:

1. Randomisierungsverfahren bleibt unklar – wahrscheinlich nur Quasi-Randomisiert („Patients were assigned to zinc treatment or placebo alternatively after the random selection to give to the first patient“)

2. Sehr kleine Stichprobe

3. Die Einnahme der Kapseln konnte individuell bestimmt werden – in den Ergebnissen wird berichtet, dass Arm B früher mit der Einnahme begann als Arm A (in Woche 1: 55% in Arm B vs. 11% in Arm A, in Woche 2: 77% in Arm B vs. 66% in Arm A, in Woche 4: 100% in beiden Armen), was darauf schließen lässt, dass sie früher Symptome bemerkten und sich somit schon zu Beginn von Arm A unterschieden

 

Für viele Probanden kein echter Baselinewert (vor Verschlechterung) vorhanden, wodurch Innergruppenvergleiche fragwürdig sind

 

Keine Angabe der Gruppenzugehörigkeit der Attrition

 

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

2b

Ripamonti (1998): In dieser Studie untersuchten die Autoren die Auswirkungen von Zink auf Veränderungen der Wahrnehmung (d.h. Erkennung eines geschmacklichen Unterschieds im Vergleich zu Wasser) und der spezifischen Erkennung der Geschmacksrichtungen sauer, salzig, süß und bitter. Neun von 18 Patienten mit Kopf-Hals Karzinom erhielten hierfür ein Zinkpräparat und die anderen neun ein Placebo. Es wurde dann untersucht, inwiefern sich die Gruppen in ihrer Geschmackswahrnehmung während der Radiotherapie und einen Monat nach deren Beenden unterschieden. Alle Patienten zeigten während der Therapie ein Auftreten von Geschmacksveränderungen. Während der Radiotherapie verschlechterte sich die Placebo-Gruppe jedoch stärker, als die Zink-Gruppe und die Zink-Gruppe erholte sich innerhalb eines Monats nach der Behandlung schneller von den Veränderungen als die Gruppe mit Placebo. In Hinblick auf die Geschmacksrichtungen konnte man in der Zink-Gruppe bzgl. einzelner bedeutsame Unterschiede in der Wahrnehmung und Erkennung feststellen, weswegen man anhand dieser Studie zur Einnahme von Zink raten könnte. Die Studie führt eine aufwendige und für die Größe der Stichprobe angepasste statistische Analyse durch in diese sogar Ausgangswerte eingeschlossen werden, allerdings lässt sowohl der Vorgang der Gruppenzuordnung als auch der Studienaufbau, im Sinne der Sicherstellung der Vergleichbarkeit der Gruppen und verwertbaren Ausgangsdaten zu Beginn der Studie zu wünschen übrig.