Kasseroller et. al. (2003)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Kasseroller (2003): Efficacy and tolerability of proteolytic enzymes as an anti-inflammatory agent in lymphoedema after axillary dissection due to mammary cancer. The European Journal of Lymphology and related problem.

Ref.ID: 1518

RCT

 

Monozentrisch

 

Randomisiert

 

Doppelt verblindet

 

Zwei Arme,

eingeschlossen

N=88

ausgewertet

N=88

 

Es gab eine Intention-to-treat, Per-protocol I und eine Per-protocol II Auswertung

 

In der Intention-to-treat Auswertung wurden alle Patienten ausgewertet, in der Per-protocol I Auswertung 71 Patienten und in der Per-protocol II Auswertung 83 Patienten

 

Per-protocol I: Patienten, die vor Visit4 abgebrochen haben, wurden ausgeschlossen, wenn der Abbruch nicht wirksamkeitsbezogen war

 

Per-protocol II: Patienten, die vor Visit3 abgebrochen haben, wurden ausgeschlossen

 

Österreich, 06/1999 – 08/2000

Patienten mit Brustkrebs und operativ entfernten axillären Lymphknoten (Level I und II St. Gallen Konsensus), sowie einseitig sekundär entstandenem Lymphödem

 

Alter: ≥30 und ≤80 Jahre

 

100% weiblich

 

Alter (Mittelwert in Jahren) Arm A:60.9, Arm B:58.0

 

Gewicht in kg

Arm A:78.31, Arm B:76.77

 

 

Arm A:

N=44

2xtgl. CDT (combined decongestive therapy) für die ersten 20 Tage, bestehend aus manueller Lymphdrainage (Nacken, Arm, Thorax), Bandagieren des Arms, speziell zugeschnittene Übungen und Hautpflege

+ 3x5 Tabletten Wobenzym (Zusammensetzung s.o.) täglich über 6.5 Wochen

 

Arm B:

N=44

2xtgl CDT für die ersten 20 Tage + Placebo

 

 

Prim. Endpunkt:

1. Volumen des betroffenen Arms im Vergleich zur Baseline erhoben mittels Volumeter (Tag 45)

 

Sekund. Endpunkte:

2. Hautfaltendicke im Vergleich zur Baseline als Parameter der Fibrose

 

3. Spannung der Haut im Vergleich zur Baseline

 

Zusätzlich wurde ein nicht relevanter Laborparameter erhoben (CRP)

 

(Mann-Whitney-Statistik für Volumenreduktion)

Neben der Baseline gab es drei Erhebungszeitpunkte: Tag 9 (Visit2), 19 (Visit3) und 45 (Visit4) ab Beginn der CDT

 

Zu 1.

Arm A: Baseline Volumeter 2483.0 und Visit 4 2275.1

gegenüber

Arm B: Baseline Volumeter 2420.1 und Visit 4 2225.7,

kein signifikanter Unterschied (p=kA)

 

 

Zu 2.

Arm A: Baseline: “upper ill arm” 7.4mm und Visit 4: 4mm

gegenüber

Arm B: Baseline: “upper ill arm” 6.7mm und Visit 4: 3.4mm,

ähnliche Entwicklung im unteren Arm, Hand und dem dritten Finger (beim ersteren und zweiten leichter Vorteil in Arm A; p=kA)

 

Zu 3.

Arm A: Baseline: 2.0 und Visit 4: 0.4

gegenüber

Arm B: Baseline: 1.8 und Visit4: 0.5,

Überlegenheit von Wobenzym (p=kA)

 

Zusammenfassung der Autoren: „Zusammenfassend hat die Studie keinen Vorteil bezogen auf die betrachteten Endpunkte zugunsten der Enzymtherapie erbracht, jedoch zeigt sich eine Wirksamkeit in Bezug auf die Inflammationskriterien.“

Folgende NW/WW wurden berichtet:

 

Es kam insgesamt zu keinen schweren Nebenwirkungen

 

Arm A: 6x gastrointestinale Beschwerden mit möglichem Zusammenhang mit der Studienmedikation, 1x gastrointestinale Beschwerden mit definitivem Zusammenhang mit der Studienmedikation; 5 Teilnehmer haben die Studie daraufhin abgebrochen

 

Arm B: 2x gastrointestinale Nebenwirkungen, 3x leichte bzw. moderate Übelkeit, 1x Nykturie, 1x trockene Haut, 1x Infektion des Harntrakts;

1x sind die gastrontestinalen Beschwerden sicher und 1x fraglich auf die Studienmedikation zurückzuführen, Nykturie und die trockene Haut in fraglichem Zusammenhang zur Studienmedikation, die Infektion des Harntrakts steht in keinem Zusammenhang zur Medikation;

2 Teilnehmer haben die Studie daraufhin abgebrochen

Laut Angabe keine CoI

 

PRO:

Ausführliche Angaben der Baseline Kriterien

 

Intention-to-Treat Analyse

 

Doppelt verblindet

 

Pillenzählen als Kontrolle (Compliance)

 

CONTRA:

Keine Angabe zum Ethikvotum

 

Keine weiteren Angaben zu Drop-out/Attrition

 

Statistische Methoden schwer nachvollziehbar dargestellt

 

Keine statistisch nachvollziehbare Untermauerung der Ergebnisse bzw. Gruppenvergleiche

 

Ausschluss von Probanden mit bekannter Unverträglichkeit: Validität der Nebenwirkungen daher eingeschränkt

 

Augenscheinliche Unterschiede zwischen Gruppen zur Baseline bezüglich vorangegangener Krebstherapie und Hautfaltendicke

 

Ergebnis zur Bewertung des Erfolgs durch Arzt und Patient nicht in Studie aufgeführt

 

Spärliche Beschreibung der Randomisierung, es könnte eine Quasi-Randomisierung vorliegen „The patient number was allocated to the patient in uprising arithmetical order and the patient received the first box of matching medication”

2b

Kasseroller (2003): In dieser Studie sind 88 Patientinnen mit Brustkrebs eingeschlossen. Die Patientinnen sind zu Beginn der Studie bereits operiert und ihnen wurden die Lymphknoten im Brust-Achsel Bereich entfernt. Im speziellen leiden diese Patientinnen alle an einem einseitigen Lymphödem, welches nach der Operation entstanden ist. Die Patientinnen erhalten in dieser Studie alle eine „CDT Therapie“, bestehend aus manueller Lymphdrainage, Bandagieren des Arms, spezieller Hautpflege und Übungen. Eine Gruppe von 44 Patientinnen erhält jedoch zusätzlich eine Enzymtherapie in Tablettenform. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob durch die zusätzliche Einnahme das Volumen des Arms stärker abnimmt, die Hautfaltendicke geringer ist und ob die Spannung der Haut mehr abnimmt. Die Beurteilung der Hautfaltendicke dient dabei als Parameter der Bindegewebsvermehrung. In Bezug auf das Volumen des Arms ergeben sich keine großen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, sodass hier kein Vorteil besteht. In Bezug auf die Hautfaltendicke, welche an verschiedenen Stellen des Arms gemessen wird, ergibt sich ein leichter Vorteil in der Enzymgruppe. Die Autoren geben dazu jedoch keine statistische Auswertung mit an. Zuletzt wird noch die Spannung der Haut gemessen, welche in der Enzymgruppe leicht geringer ist als in der Vergleichsgruppe. Hier geben die Autoren jedoch ebenfalls keine statistische Auswertung mit an. Zuletzt erwähnen die Autoren noch, dass es durch die Enzymtherapie zu keinen schweren Nebenwirkungen kommt, es treten lediglich Bauchschmerzen und leichte Verdauungsstörungen auf. Die Autoren sprechen sich aufgrund der Ergebnisse für keinen Vorteil der Enzymtherapie aus. Es wurden zusätzlich noch Blutwerte miteinander verglichen, welche laut der Studie in der Enzymgruppe besser ausfallen. Diese spielen jedoch keine Rolle in unserer Betrachtung.