Jahangard-Rafsanjani et al. (2013)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Jahangard-Rafsanjani et al. (2013): The efficacy of selenium in prevention of oral mucositis in patients undergoing hematopoietic SCT: a randomized clinical trial. Bone marrow transplantation. Ref.ID: 1004

Prospektiv

 

Monozentrisch

 

Doppelt verblindet

 

Randomisiert

 

2 Arme

 

Anzahl eingeschlossener Teilnehmer N=77, Ausgewertet N=74 (2x zu geringe Compliance, 1x verstorben)

 

Iran, Juni 2011 - Juli 2012

Akute lymphatische oder myeloische Leukämie (CR1, CR2, CR3); laut Autoren Selendefizit (Baselinewerte deuten auf geringes Defizit hin)

 

BU 4 mg/kg p.o. in geteilten Dosen täglich für 4 Tage (Gesamtdosis 16 mg/kg) gefolgt von CY 60 mg/kg einmal täglich i.v. für 2 Tage (Gesamtdosis 120 mg/kg) + allogene Stammzelltransplantation

 

Geschlecht: 43.2% weiblich

 

Alter (MW; Median; Range in Jahren) Arm A: 33.3; 32; 18-55 und Arm B: 34; 32; 18-55

Arm A:

N= 38

Selen Tabletten (oral), 200mcg 2x täglich vom Beginn der hochdosierten CTx bis 14 Tage nach Stammzelltransplantation

 

Arm B:

N= 39

Placebo

 

Alle Probanden haben gleiche Mukositisprophylaxe erhalten.

 

Dauer: CTx 6 Tage + 1 Tag danach Transplantation + Follow Up von 21 Tagen

T0: Baseline (Beginn der CTx)

T1: Ende der CTx (6 Tage)

T2: +1 Tag: Transplantation

T3: 21 Tage nach Transplantation

T4: Follow-Up nach 3 Monaten

 

Prim. Endpunkt:

1.Orale Mukositis (erhoben täglich bis T3, nach WHO)

 

Sekund. Endpunkte:

2. Regenerierung der Neutrophilen und Thrombozyten

 

3. Dauer des Fiebers

 

4. Länge des Krankenhausaufenthalt

 

5. Auftreten akute GvHD

 

6. Mortalität zu T4

 

7. Nicht-hämatologische Indizes (Serumkreatinin; Aspartat- Aminotransferase und Alanin-Transaminase, erhoben täglich)

Zu 1.

Kumulatives Auftreten (Grad 1-4) in beiden Gruppen vergleichbar (A: 83.8% vs. B: 81.1%; p=0.76); Mukositis Grad 3-4 signifikant geringer in Arm A (10.8%) im Vergleich zu B (35.1%); p=0.013 (Grad 4: 2x in B, 0x in A);

 

Mittlere Dauer vergleichbar (p=0.048), nur Dauer der objektiven Mukositis von Grad 2 zu 4 und zurück war signifikant kürzer in Arm A (3.6±1.84 Tage) als in B [5.3±2.2 Tage]; p=0.014)

 

Beginn der Mukositis nach Transplantation in beiden Gruppen vergleichbar (A: 6.16±1.57 vs. B: 6.27±1.8; p=0.81)

 

Zu 2. Kein Unterschied zwischen Gruppen (p=0.32, p=0.87)

 

Zu 3.

Fieber über 38.3°C bei 72 Patienten (97.3%) während

Neutropenie; Dauer des Fiebers in beiden Gruppen vergleichbar

(A: 3.81±1.96 vs. B: 3.83±2.93 Tage; p=0.98)

 

Zu 4.

Kein Unterschied zwischen Gruppen (A: 26.92±6.26 Tage vs. B: 25.81±4.33

Tage; p=0.38)

 

Zu 5., 6., 7.

Kein Unterschied zwischen den Gruppen (GvHD: p= 0.35; Mortalität: p= 0.69; Erhöhung Serumkreatinin: p=0.31; Erhöhung der ALT oder AST: p=0.62)

 

Anmerkung: Signifikante Erhöhung des Serumselenspiegels und Plasma

Glu.Px Aktivität an Tag 7 und 14 nach der Transplantation im Vergleich zur Baseline in Arm A und an Tag 14 auch im Vergleich zu Arm B

 

Zusammenfassung der Autoren:

“In summary, the results of our study showed that selenium

supplementation during HDC could prevent severe OM in patients

undergoing allogeneic HSCT.“

Keine Angaben zu NW/WW

Laut Angabe keine CoI

 

PRO:

Ethikvotum vorhanden.

 

Placebo-kontrolliert und doppelt verblindet

 

Poweranalyse und Einhaltung der Stichprobengröße

 

Detaillierte Ablaufbeschreibung

 

Erhebung des Selenspiegels

 

CONTRA:

Keine Überprüfung der Compliance

 

Keine Angabe zu Nebenwirkungen, mögliche Interaktion mit Medikamenten zur Prävention von Mukositis?

 

Fokussierung auf kleine Effekte statt klinisch relevanter und der vorher festgelegten Fragestellung entsprechend

 

Trotz Angabe, dass vorherige Studien zeigen, dass die meisten Stammzelltransplantationspatienten unter Selenmangel leiden, wurde dieser hier nicht getestet oder beschrieben

 

Nur sehr wenige demographische Variablen gegeben

 

Keine Überprüfung der erfolgreichen Verblindung

 

Keine Angaben ob Probanden auch andere Supplemente nehmen konnten oder dies taten

2b

Jahangard-Rafsanjani (2013): In dieser Studie wurden 77 Patienten mit akuter lymphatischer oder myeloischer Leukämie eingeschlossen, welche sich einer hochdosierten Chemotherapie und anschließend einer Stammzelltransplantation unterzogen. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob die Einnahme von Selen das Auftreten von Mukositis beeinflussen kann. Es wurden zudem weitere Laborparameter und Symptome der Patienten erhoben. Für die Studie wurden die Patienten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt, so dass eine Gruppe (38 Probanden) während der Chemotherapie und bis 14 Tage nach der Transplantation jeden Tag 2x täglich 200mcg Selen erhielten und die andere Gruppe ein Placebo. Insgesamt gab es keine Unterschiede über den Beginn, die Häufigkeit oder die Dauer der Mukositis zwischen den beiden Gruppen. Es gab allerdings bedeutsam weniger schwere Fälle von Mukositis in der Selen-Gruppe, und auch die Dauer der schwereren Fälle in der Selengruppe war kürzer im Vergleich zur Placebogruppe. Es gab keine Unterschiede bezüglich Länge des Krankenhausaufenthaltes, Dauer des aufgetretenen Fiebers, der Häufigkeit der immunologischen Abwehrreaktion auf das Transplantat oder der Sterblichkeit, sowie weitere Laborparameter bezüglich der Leber- oder Nierenfunktion. Die Studie ist methodisch gut durchgeführt, gibt aber wenig Informationen über die einbezogene Stichprobe (wenig demographische Angaben). Ein vorliegender Selenmangel kann trotz Fehlens eines direkten Erwähnens dessen aus den vorliegenden Werten abgeleitet werden. Auch der Einsatz von Medikamenten zur generellen Mukositisprävention könnte den direkten Einfluss von Selen auf die Mukositis beeinträchtigt haben.