Martin et. al. (2002)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Martin (2002): Does prophylactic treatment with proteolytic enzymes reduce acute toxicity of adjuvant pelvic irradiation? Results of a double-blind randomized trial. Radiotherapy and oncology: journal of the European Society for Therapeutic Radiology and Oncology.

Ref.ID: 857

 

 

RCT

 

Monozentrisch

 

Randomisiert

 

Doppelt verblindet

 

Zwei Arme,

eingeschlossen

N=56

ausgewertet:

N=56

 

Attrition:

Jeweils 3 Patienten in Arm A und Arm B, im Zeitraum t1-3 und je einen Patienten aus beiden Armen im Zeitraum t4-6 auf eigenem Wunsch, keine Gründe angegeben

 

Deutschland,

03/1994 –

06/1997

Makroskopisch resezierter Tumor im Beckenbereich+ RTx (5 Wochen)

Krebslokalität: Rektosigmoid, Endometrium, Cervix, Vulva, Prostata

 

Karnofsky Index≥90%

 

Geschlecht Arm A:82% weiblich

Arm B:71% weiblich

 

Alter (Mittelwert in Jahren) Arm A:53.8, Arm B:57.3

Arm A:

N=28

RTX + 3x4 Tabletten WOBE-MUGOS (Zusammensetzung s.o.) täglich, Beginn 3 Tage vor der ersten Bestrahlung bis zum Ende der Therapie

 

Arm B:

N=28

RTX + Placebo

 

Baseline:

3 Tage vor der ersten RTx (=t0)

Reevaluationen:

Tag 3 (=t1), Tag 8 (=t2), Tag 15 (=t3), Tag 21 (=t4), Tag 28 (=t5), Tag 35 (=t6) der RTx

 

Prim. Endpunkt:

1. Frequenz und Höhe der 5 Toxizitätsparameter (Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Fatigue, Epitheliolyse) basierend auf dem CTC/RTOG Erhebungsbogen

 

Sekund. Endpunkte:

2. zusätzlich benötigte Medikamente

 

3. Unterbrechung/Abbruch der RTx

1.

Durchfall Arm A gegenüber Arm B:43% vs. 64% keinen oder leichten Durchfall und 57% vs. 36% moderaten oder stärkeren Durchfall, keine signifikanten Gruppenunterschiede (p=0.11)

Keine Gruppenunterschiede bei den Durchschnittswerten (p=kA)

 

Übelkeit Arm A gegenüber Arm B:93% vs. 93% keine oder leichte Übelkeit und 7% vs. 7% moderate oder stärkere Übelkeit,

keine signifikanten Gruppenunterschiede (p=kA)

 

Erbrechen Arm A gegenüber Arm B:96% vs. 100% kein oder leichtes Erbrechen, keine signifikanten Gruppenunterschiede (p=kA)

 

Fatigue Arm A gegenüber Arm B:82% vs. 93% keine oder leichte Fatigue und 18% vs. 7% moderate oder stärkere Fatigue, keine signifikanten Gruppenunterschiede (p=0.23)

Keine Gruppenunterschiede bei den Durchschnittswerten (p=kA)

 

Epitheliolyse Arm A gegenüber Arm B:75% vs. 89% keine oder leichte Epitheliolyse und 25% vs. 11% moderate oder stärkere Epitheliolyse, keine signifikanten Gruppenunterschiede (p=0.16)

Keine Gruppenunterschiede bei den Durchschnittswerten (p=kA)

 

2.

Zusätzlicher Arzneimittelbedarf Arm A gegenüber Arm B: 29 vs. 19,

Keine Gruppenunterschiede erhoben

(Arm A: 22x Antidiarrhoika, 2x Antibiotika, 1x Analgetika, 3x Behandlung der Epitheliolyse 1x Antidepressiva; Arm B:11x Antidiarhhoika, 1x Antibiotika, 3x Analgetika, 2 x Antiemetika, 2x Behandlung der Epitheliolyse)

 

3.

Unterbrechung der RTx Arm A gegenüber Arm B:2.44 Tage vs. 1.46 Tage,

kein Gruppenvergleich durchgeführt

 

Zusammenfassung der Autoren:

„Das Ergebnis unserer Studie zeigt keine signifikanten Verbesserungen der Toleranz von Radiotherapien bei Patienten, die zusätzlich 3x4 WOBE-MUGOS Enzymkapseln einnehmen.“

Keine Angaben zu NW/WW, es wird lediglich von einem Trend zu weniger zusätzlichen Medikamentenbedarf in der Placebogruppe gesprochen

Keine Angaben zu den CoI

PRO:

Intention-to-treat Analyse

 

Doppelt verblindet

 

CONTRA:
keine ausreichenden Informationen zur Gruppenvergleichbarkeit

 

Keine Angabe zum Ethikvotum

 

Relativ geringe Anzahl an Studienteilnehmern und hohe Attrition

 

Zwar Zeitraum, jedoch keine Gründe für Attrition genannt

 

Datenerhebung durch Gespräch, möglicherweise keine objektive Erhebung

 

Unklarer Randomisierungsprozess

 

Teilweise fehlende Gruppenvergleiche

2b

Martin (2002): In dieser Studie wurden 56 Patienten mit Krebsleiden in der Beckenregion eingeschlossen. Es handelte sich hier um verschiedene Arten von Krebs, jedoch wurde bei allen Patienten der Tumor vollständig entfernt und eine Strahlentherapie angeschlossen. Ein Teil der Patienten (28 Personen) erhielt dabei zusätzlich eine Enzymtherapie in Tablettenform (10mg Papain, 40mg Trypsin, 40mg Chymotrypsin) und ein weiterer Teil (28 Patienten) lediglich ein Placebo. Die Fragestellung dieser Studie ist nun, ob durch die zusätzliche Enzymeinnahme die Nebenwirkungen der Strahlentherapie, wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, körperliche Schwäche und Hautablösungen gemindert werden können. Zusätzlich wird geschaut ob, bei den Patienten weitere Medikamente zur Behandlung der Nebenwirkungen eingespart werden können und ob es zu weniger Unterbrechungen während der Strahlentherapie kommt. Das Ergebnis der Studie zeigt keine relevanten Vorteile der Enzymtherapie gegenüber der Einnahme eines Placebos. Die Autoren sprechen daher keine Empfehlung für eine Enzymtherapie aus. Diese Studie zieht einen direkten Vergleich über die Häufigkeit der Nebenwirkungen mit Patienten, die nur eine Scheintherapie erhalten, was eine gute Vergleichbarkeit ermöglicht. Die Teilnehmer beider Gruppen waren auch nicht darüber informiert, ob sie nun Enzyme oder ein Placebo erhielten und wurden zuvor per Zufall in eine der beiden Gruppen eingeteilt. Die Patienten hatten zwar alle Tumore in der Beckenregion, jedoch gab es kaum Informationen wie weit fortgeschritten der Krebs bei den einzelnen Patienten war und somit konnte dies in den Gruppen sehr unterschiedlich sein. Mit 28 Teilnehmern je Gruppe sind diese recht klein, sodass es schwer ist, hier eine allgemein gültige Aussage treffen zu können. Die Stärke der Nebenwirkungen wurde bei den Patienten durch einen Arzt erfragt und nicht durch den Patienten in einen Erhebungsbogen eingetragen, sodass hier das Ergebnis möglicherweise verfälscht sein könnte.