Bairati et. al. (2005b)

Komplementärmedizin · Version 2.0

Referenz

Studientyp

 

Patientenmerkmale

Intervention/

Kontrolle, Beobachtung

Untersuchte Endpunkte

Hauptergebnisse

Neben-/ Wechselwirkungen

Finanzierung/ Interessenskonflikte

Methodische Bemerkungen

Evidenzklasse (Oxford)

Bairati (2005b). Randomized trial of antioxidant vitamins to prevent acute adverse effects of radiation therapy in head and neck cancer patients. Journal of clinical oncology.

Ref.ID: 509

 

Multizentrisch

 

doppelt

randomisiert

 

2 Arme

 

Anmerkung:

Zu Studien-beginn war Intervention Kombination aus Vit. E und Betacarotin, aber 1996 wurde die Betacarotin-Intervention wegen Hinweise auf schädliche Wirkung abgebrochen; hier nur Angaben/ Ergebnisse zum Vergleich zw. Vit. E (alleine) vs. Placebo, Rest s. Evidenztabellen Vitaminkombinationen

 

Eingeschlossen: N = 384 (insg. 540),

Ausgewertet:

N = 384 (insg. 540),

 

Kanada, 10.94-06.00

Kopf-Hals-Karzinom (Erstdiagnose)

Stadium: I-II

 

21% weiblich

 

Alter: Mittelwert (SD) = 63.54 (9.51)

(Patientencharakteristiken beziehen sich auf Gesamtstichprobe)

 

RTX

Arm A:

N = 194

RTX + Vitamin E

400 IU Vitamin E (dl-α-Tocopherol)

Beginn: Tag 1 RTX

Dauer: Bis 3 Jahre nach RTX

 

Arm B:

N = 190

RTX + Placebo

T0: vor RTX, T1: während RTX, T2: direkt post-RTX; T3: 1 Monat post-RTX, ab T4: 3 Jahre lang alle 6 Mon., dann 1x Jahr

Primärer Endpunkt:

Bairati (2005a):

1. Inzidenz Zweittumore (Median Follow-up: 52 Mon.)

Sekundäre Endpunkte:

Bairati (2005b):

2. Toxizität RTX (erhoben mit RTOG Acute Radiation Morbidity Scoring Criteria): T1-T3

3. QoL (erhoben mit EORTC QLQ-C30 + Kopf-Hals-Karzinom spezifischer QoL-Fragebogen von Browman et al (1993) - Head and Neck Radiotherapy Questionnaire (HNQR)): T0, T2, T3

4. DFS

5. OS (Bairati         

2006): Median Follow-up: Arm A: 6.4 Jahre, Arm B: 6.6 Jahre

Zu 1.

Bairati (2005a)

Anzahl Zweittumore

Bis 3.5 Jahre nach Randomisierung

A: 38/194, B: 14/190; HR = 2.88 (95% KI: 1.56, 5.31), sign.

Ab 3.5 Jahre

A: 6/105, B: 17/129; HR = 0.41 (95% KI: 0.16, 1.03)

Zu 2.

Bairati (2005b)

Anzahl NW: OR (95% KI)

T1: 0.92 (0.62, 1.38),

T2: 1.06 (0.70, 1.60)

T3: 1.17 (0.78, 1.74)

Getrennt nach Lage des Tumors:

Larynx, Haut, Mukosa, Pharynx und Ösophagus: keine sign. Unterschiede

Zu 3.

Bairati (2005b)

kA zum Vergleich zw. Vit. E alleine und Placebo

Zu 4.

Bairati (2005a)

Anzahl Ereignisse (Rezidiv, Zweittumore)

Bis 3.5 Jahre nach Randomisierung

A: 73/194, B: 42/190; HR = 1.86 (95% KI: 1.27, 2.72), sign.

Ab 3.5 Jahre

A: 10/89, B: 18/119; HR = 0.71 (95% KI: 0.33, 1.53)

Rezidiv initialer Tumor (Follow-up-Periode insg.): HR = 1.44 (95% KI: 0.91, 2.26)

Bairati (2005b)

Lokalrezidiv initialer Tumor:

HR = 1.29 (95% KI: 0.89, 2.08)

Zu 5.

Bairati (2006)

Anzahl Todesfälle insgesamt

A: 65/194, B: 47/190; HR = 1.43 (95% KI: 0.98, 2.07)

Zusammenfassung der Autoren:

Bairati 2005a:

“α - Tocopherol supplementation produced unexpected adverse effects on the occurrence of second primary cancers and on cancer-free survival.”

Bairati 2005b:

“Supplementation with high doses of α-tocopherol and β-carotene during radiation therapy could reduce the severity of treatment adverse effects. However, this trial suggests that use of high doses of antioxidants as adjuvant therapy might compromise radiation treatment efficacy.”

Bairati 2006:

“Our results concur with previous reports to suggest that high-dose vitamin E could be harmful.”

Anzahl in % mit NW:

Arm A: 6%

Arm B: 8% bei Erläuterungen der Nebenwirkungen unklar ob durch Vitamin E oder Beta-Carotin ausgelöst

Finanziell unterstützt durch National Cancer Institute (mit Geldern der Canadian Cancer Society)

 

Bairati: Empfängerin eines Senior Scientist Award der Fonds de Recherche en Santé du Québec

 

Laut Angabe keine CoI

PRO:
Ethikvotum

Doppelte Verblindung

Hohe Compliance, Angaben zur Entwicklung des Vitamin E-Spiegel

Intention-to-treat-Analyse

CONTRA:
Änderung des Studienprotokolls im Laufe der Studie

kA zu den zu Charakteristiken für die Stichprobe Vit. E allein vs. Placebo

Schlechte Berichtqualität, teilweise bei Ergebnissen widersprechende Angaben in den einzelnen Publikationen

 

 

2b

Bairati (2005b) In dieser Studie, die insgesamt aus drei verschiedenen Publikationen besteht, wurde primär die Wirksamkeit von Vitamin E hinsichtlich der Prävention von zweiten Primärtumoren bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor untersucht. Ursprünglich war zu Beginn der Studie geplant, eine Kombination aus Betacarotin und Vitamin E zu untersuchen, aber die Betacarotin-Intervention wurde im Laufe der Studie wegen Hinweisen auf eine schädliche Wirkung abgebrochen. Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf die 384 Patienten (von insgesamt 540 Patienten), die entweder Vitamin E alleine oder stattdessen ein Placebo eingenommen haben. Sowohl in den ersten dreieinhalb Jahren nach der Randomisierung, als auch im Zeitraum danach wurden im Vitamin E-Arm bedeutsam mehr zweite Primärtumore festgestellt als in der Placebogruppe. Sekundäre Endpunkte dieser Studie waren die durch die Radiotherapie bedingten Nebenwirkungen, die Dauer des krankheitsfreien Intervalls und das Gesamtüberleben. Bei den Nebenwirkungen zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede. Während innerhalb der ersten dreieinhalb Jahre nach der Randomisierung im Vitamin E-Arm bedeutsam mehr Rezidive und zweite Primärtumore als im Placeboarm festgestellt wurden, waren es in den Jahren danach weniger Fälle im Vitamin E-Arm. Hinsichtlich des Gesamtüberlebens berichteten die Autoren im Vitamin E-Arm mehr Todesfälle als im Placeboarm. Positiv an dieser Studie war die doppelte Verblindung und dass die meisten Patienten die Medikation so eingenommen haben, wie in der Studie vorgegeben. Negativ war jedoch, dass aufgrund des Fehlens einiger Charakteristika der Gruppe Vitamin E und Placebo-Patienten nicht von einer vollständigen Vergleichbarkeit der Gruppen ausgegangen werden kann. Außerdem können wegen der schlechten Berichtqualität weitere Verzerrungen nicht ausgeschlossen werden.