Leitlinienprogramm OnkologieAktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut

11. Versorgungsstrukturen bei aktinischer Keratose und Plattenepithelkarzinom – Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut

Version 2.0 · Dezember 2022 · AWMF 032-022OL
Leitlinienprogramm Onkologie · Deutsche Krebsgesellschaft · Deutsche Krebshilfe · AWMF

11.1 Hauttumorzentren

C. Garbe, U. Leiter

Seit Anfang 2009 werden in Deutschland Hauttumorzentren eingerichtet, das erste davon in Heidelberg, 63 Zentren wurden bis Ende 2018 zertifiziert. Die Zertifizierung erfolgt in 2 Phasen:

  • Prüfung des Erhebungsbogen Hauttumorzentren (Download www.onkozert.de) von zwei Fachauditoren, Rücklauf mit Angaben über Abweichungen oder Hinweisen zur Verbesserung (Bewertung des Erhebungsbogens) an das Zentrum.
  • Fachaudit, das von den 2 Fachauditoren durchgeführt wird, die auch den Erhebungsbogen bewertet haben. Es werden nicht nur das Zentrum selbst, sondern auch die kooperierenden Abteilungen besucht.

Das Herzstück des Hauttumorzentrums ist die interdisziplinäre Hauttumorkonferenz. Hier sollten möglichst viele therapeutische Entscheidungen getroffen werden. Die Einrichtung einer eigenen Hauttumorkonferenz/Hauttumorboard mit den Hauptbeteiligten aus Dermatologie, internistischer Onkologie, Chirurgie, Radiologie und Strahlentherapie ist ein wesentlicher Schritt für die Etablierung des Zentrums. Es müssen schriftliche Vereinbarungen mit Hauptbehandlungspartnern und weiteren Behandlungspartnern geschlossen werden. Mindestzahlen in der Behandlung von Hauttumorpatienten werden gefordert.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tumordokumentation. Alle Hauttumoren müssen elektronisch erfasst und dokumentiert werden. Patientenpfade und SOPs (Standard Operating Procedures) für Behandlungen (Wächterlymphknoten, Chemotherapie etc.) werden vorgelegt. Eine gute Kooperation mit den Einweisern, mit der Psychoonkologie und mit dem Sozialdienst muss gewährleistet sein.

Ziel ist die Koordination der Betreuung und interdisziplinäre Versorgung von Hauttumorpatienten, insbesondere mit lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Tumoren, entsprechend dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens.

Die Implementierung der vorliegenden S3-Leitlinie spielt in allen Versorgungsstrukturen eine wesentliche Rolle.

 

11.2 Qualitätsindikatoren

S. Wesselmann, H. Adam

Qualitätsindikatoren (QI) sind Messgrößen, deren Erhebung der Beurteilung der Qualität der zugrunde liegenden Strukturen, Prozesse bzw. Ergebnisse dient [564][565]. QI sind ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements. Ziel ihres Einsatzes ist die stetige Verbesserung der Versorgung, indem die Ergebnisse der Versorgung dargestellt, kritisch reflektiert und wenn nötig verbessert werden. Die vorliegende Auswahl von QI wurde gemäß der Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt. Für den Ableitungsprozess konstituierte sich eine „Arbeitsgruppe Qualitätsindikatoren“. Diese erstellte das finale Set der QI auf Grundlage der starken Empfehlungen der Leitlinie (Empfehlungsstärke A, „soll“) und den Ergebnissen der Recherche nach bestehenden nationalen und internationalen QI. Die genaue Vorgehensweise und die Zusammensetzung der AG sind im Leitlinienreport dargelegt.

Nach einer Präsenzsitzung und einer Telefonkonferenz dieser AG wurde 1 QI in das finale Indikatorenset aufgenommen.

Tabelle 41: Qualitätsindikator

Qualitätsindikator Referenz Empfehlung Evidenzgrundlage / weitere Informationen
QI 1: Pathologiebericht
Zähler:
Anzahl Patienten mit folgenden Angaben im histologischen Befundbericht:
  • histologischer Tumortyp,
  • histologische Tiefenausdehnung (Beschreibung u Messung),
  • perineurale Ausbreitung,
  • Gefäßeinbruch,
  • Differenzierungsgrad und
  • R-Klassifikation invasiver Tumoranteil

Nenner:
Alle Patienten mit PEK und Exzision
Empfehlung 4.17
Der histologische Befund eines PEK soll neben der Diagnose zusätzlich Folgendes enthalten:
  • histologischer Tumortyp (bei speziellen Subtypen des PEK)
  • Beschreibung der histologischen Tiefenausdehnung in Bezug auf die anatomische Schichtung (insbesondere ab Clark-Level V, entsprechend Infiltration der Subcutis)
  • Messung der Tiefenausdehnung ab einer Invasionstiefe von 2 mm (entspricht etwa Durchmesser eines 10x Sichtfelds)
  • im positiven Fall Angabe zum Vorhandensein einer perineuralen Ausbreitung, eines Gefäßeinbruchs oder einer geringen Differenzierung
  • Vollständigkeit der Resektion des invasiven Tumoranteils.
EK

Qualitätsziel:
Möglichst häufig vollständige Angaben in Pathologieberichten bei Exzision eines PEK.
Der Zähler ist stets eine Teilmenge des Nenners. Der Qualitätsindikator ist nicht mit dem onkologischen Basisdatensatz der Krebsregister zu dokumentieren (Stand: 10.2018).

Literaturhinweise

[564] Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Gramsch, E, Hoppe, JD, Jonitz, G, Köhler, A, Ollenschläger, G , et.al. Kompendium Q-M-A. Qualitätsmanagement in der ambulanten VersorgungDt. Ärzte-Verl., 2008.

[565] Aerztliches Zentrum für Qualitaet in der Medizin (AeZQ), Manual Qualitaetsindikatoren. Manual für Autoren., 2009. aezq Schriftenreihe: 36:, http://www.aezq.de/mdb/edocs/pdf/schriftenreihe/schriftenreihe36.pdf